Was ist eine Schalmei?

Um diese Frage zu beantworten, muss man auf jeden Fall zwischen einer mittelalterlichen Schalmei und der heutigen Schalmei unterscheiden.
Das Einzige, was die beiden gemeinsam haben ist der Name und die prinzipielle Art der Tonerzeugung. Bei beiden erklingt der Ton, weil der Luftstrom durch ein Plättchen „zerschnitten“ wird (wie bei Klarinette, Saxophon, Blockflöte etc.). Derartige Instrumente werden deshalb als „Holzblasinstrumente“ bezeichnet, obwohl sie - wie z. B. das Saxophon oder auch die neuzeitliche Schalmei - aus Blech (in der Regel Messing) gefertigt sind.

 

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e1/Salmaj.jpg

Die mittelalterliche Schalmei

Die Schalmei (oder auch Schalmay, Schalmey, Ciaramella, Kalamaia, Pommer) hat orientalische Vorläufer, die im Iran und Zentralasien Sornay und in der Türkei Zurna genannt werden, und taucht im Mittelalter in Europa auf.  Seit Mitte des 20. Jahrhunderts werden wieder Schalmeien gebaut und gespielt.

Sie ähnelt der Oboe, ihr Klang ist eher näselnd, hoch und dünn.
Die verschiedenen Tonhöhen werden, ähnlich wie bei einer Flöte, durch Öffnen bzw. Abdecken von entsprechenden Luftöffnungen im Korpus erzeugt. Ursprünglich von Hirten und Spielleuten gespielt, ist sie heute bei Ritterspielen, historischen Märkten und ähnlichen Veranstaltungen zu hören. Das musikalische Repertoire ist dementsprechend historisch geprägt.

 

 

Die heutige Schalmei, oder auch "Martinstrompete":

Die nach ihrem Erfinder Max B. Martin benannte Martinstrompete entstand Anfang des 20. Jahrhunderts als Signalinstrument und wird als eigenständiges Musikinstrument auch Schalmei genannt. Von der Schalmei als historischem Holzblasinstrument stammt sie instrumentenbaulich nur bedingt ab, der durchdringende Klang hat jedoch gewisse Ähnlichkeiten.

Kaiser Wilhelm II. erklärte sie damals als kaiserliches Privileg. Sie durfte nur von einem kaiserlichen Fanfarenspieler zu besonderen Anlässen gespielt werden. Dadurch war jedoch die Verbreitung des Instrumentes stark eingeschränkt. Dennoch entstanden ab 1913 erste Schalmeienkapellen.
In den zwanziger Jahren waren sie schwerpunktmäßig bei Turnvereinen, Radfahrerclubs und kommunistischen Verbänden zu hören. Letzteres führte dazu, dass sie ab 1933 von den Nationalsozialisten verboten wurden.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Schalmei in der früheren DDR bereits in den 50er Jahren „wieder entdeckt“. Daher gibt es in den heutigen neuen Bundes-ländern eine lange Tradition der Schalmeienmusik. In Westdeutschland sollte es, bis auf wenige Ausnahmen, bis Ende der 60er-/ Anfang der 70er- Jahre dauern, bis im Süden in Bodenseenähe die ersten Schalmeienkapellen (hauptsächlich als Faschingsmusik) gegründet wurden.
1987 schenkte der DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker, der in seiner Jugend beim Roten Frontkämpferbund Schalmei gespielt hatte, dem westdeutschen Rockmusiker Udo Lindenberg ein Instrument als Reaktion auf dessen Geschenk einer Lederjacke.

Die neuzeitliche Schalmei (bzw. Martinstrompete) besteht in der Regel aus acht Röhren, die auf einer Seite als Schalltrichter ausgeprägt und auf der anderen Seite über ein Ventilteil zusammengefügt sind. Mit jedem Schalltrichter wird genau ein Ton erzeugt. Es stehen deshalb acht Töne im Umfang einer Oktave zur Verfügung. Man spricht bei dieser Art von Schalmei auch von der „chromatischen Schalmei“ (im Gegensatz hierzu die „diatonische Schalmei“: siehe weiter unten).

Um größere Tonräume mit einer Schalmeienkapelle abdecken zu können, werden unterschiedlich gestimmte Instrumente angeboten. Während beispielsweise eine Sopran-Schalmei den Tonumfang g' bis g'' abdeckt, steht bei einer Bariton-Schalmei der Tonumfang g bis g' zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es Alt-Schalmeien (Tonumfang e' bis e'') sowie Tenor-Schalmeien (Tonumfang c' bis c''). Sie alle eignen sich zum Spielen von Melodien, wobei durch geeignetes Arrangieren die verschiedenen Stimmen eines Musikstückes dargestellt werden (z.B. Sopran-schalmei für die Erste Stimme, die Altschalmei für die Zweite Stimme und die Baritonschalmei für die Dritte Stimme).

Für Begleitzwecke und zur „Füllung“ des Klangkörpers gibt es mehrtönig klingende Instrumente (so genannte Akkord-Schalmeien), bei denen mehrere Töne (Akkor-de) gleichzeitig erklingen, sowie viertönige Bass-Schalmeien, oder Sonderausprägungen, wie die so genannte „Doppel-Oktave“. Sie ist eine Sopran-Schalmei, bei der immer zwei Töne gleichzeitig klingen, die in einem Abstand von einer Oktave gestimmt sind.

Um die Einschränkungen des Tonumfangs zu beseitigen und somit absolut flexibel bei der Liedauswahl zu sein, werden so genannte „diatonische Schalmeien“ angeboten. Bei diesen Instrumenten stehen sämtliche Töne (also alle „ganzen“ und „halben“) einer Oktave einer Dur-Tonleiter zur Verfügung.

Wir spielen mit chromatischen Sopran, Alt, Bariton und Akkord Schalmeien.
Um den Notenumfang bei Auftritten so gering wie möglich zu halten und um Noten-Unerfahrenen die Möglichkeit zu geben, bei uns mitzuspielen, spielen wir nach Zahlen statt Noten. Wobei jede Zahl für eine Note steht.

Grundsätzlich können mit Schalmeien fast alle Arten von Musik gespielt werden. Unser Repertoire umfasst daher Musikstücke von Klassikern über Stimmungslieder bis hin zu Rock und Pop. Neben den Blasinstrumenten spielen selbstverständlich das Schlagwerk (Pauke und Schlagzeug) und Rhythmusinstrumente eine wichtige Rolle, um das Spiel der Schalmeien zu untermalen und besser zur Geltung zu bringen.